Ursachen

Für die Adipositas spielen  genetische, epigenetische und erworbene Faktoren eine sehr grosse Rolle, ebenfalls soziokulturelle und sozioökonomische Faktoren, die die Zusammensetzung und Menge der Nahrungsaufnahme und der Bewegung im Alltag und im Beruf bestimmen.

Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Es ist bekannt, dass sich das Gewicht der Kinder sehr an das Gewicht der leiblichen Eltern angleicht. Zwillingsstudien konnten zeigen, dass das Gewicht unter den Zwillingsgeschwistern ähnlicher war als mit ihren nicht blutsverwandten Geschwistern, wenn die Zwillinge in verschiedenen Familien aufwuchsen. Eine ganze Reihe von Genen ist verantwortlich für das individuelle Gewicht.

Das Gewicht, Erkrankungen und Gewohnheiten der Mutter während der Schwangerschaft beeinflussen ebenso das Gewicht des erwachsenen Nachwuchses. Leidet die Mutter während der Schwangerschaft an einem unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes, oder führt diese Diäten während der Schwangerschaft durch, so ist das Risiko für das Kind, später an Adipositas zu erkranken, deutlich erhöht.

Auch die Zusammensetzung der Darmflora (natürliche Bakterien im Darm) scheint zumindest teilweise vererbt zu werden und scheint v.a. von der Mutter auf das Kind übertragen zu werden. Die Zusammensetzung der Darmflora kann die Aufnahme von Zucker und anderen Energieträgern vom Darm ins Blut positiv oder negativ beeinflussen.

Wir wissen aber auch, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora im Laufe des Lebens ändern kann und abhängig ist von dem, was wir essen.

Falsche Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Immer wenn wir unserem Körper mehr Energie (Kalorien) zuführen als er benötigt, nehmen wir an Gewicht zu. Die wichtigsten Kalorienträger sind Fette und Kohlenhydrate.

Im Durchschnitt benötigt unser Körper 2300 Kalorien pro Tag. Dieser Kalorienbedarf kann allerdings sehr schwanken und setzt sich einerseits aus dem Grundumsatz und anderseits aus den Kalorien zusammen, die wir aufgrund körperlicher Anstrengungen verbrauchen.

Der Grundumsatz eines Menschen, d.h. die Kalorienmenge, die der Köper in Ruhe verbrennt, ist abhängig von der Genetik, dem Geschlecht, dem Alter, der Grösse und der Muskelmasse des Individuums. Hier können Sie Ihren individuellen Kalorienbedarf berechnen:

www.sge-ssn.ch

Werden dem Körper mehr Kalorien zugeführt als er verbraucht, legt sich dieser die Energiereserven in Form von Fett an. Dieses Prinzip hat sich in der langen Evolutionsgeschichte des Menschen bewährt, denn nicht immer stand dem Menschen früher zu jeder Zeit etwas Essbares zur Verfügung. Das breitflächige Überangebot an hochkalorischen Nahrungsmitteln ist ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Haben Sie einmal zu viel Gewicht angesetzt, ist es sehr schwierig, dieses wieder zu verlieren.

Wenn Sie versuchen, Ihr Gewicht durch Diäten zu reduzieren, dann wird Ihr Körper dagegen arbeiten, indem er seinen Grundumsatz senkt. Das heisst, Sie fasten zwar, aber Ihr Körper verbraucht auch in Ruhe weniger Energie. Fasten führt zudem zur Ausschüttung zahlreicher Hungerhormone, die den Essenstrieb auslösen. Der Essenstrieb ist noch vor dem Sexualtrieb der stärkste Trieb im Menschen, da er direkt verantwortlich fürs Überleben ist. Sie müssen also während jeder Diät gegen diesen Trieb ankämpfen.

Der Körper stellt bei jeder Diät also auf „Sparflamme“. Zudem müssen Sie langfristig über Jahre gegen den Essenstrieb ankämpfen, damit Sie das verlorene Gewicht nicht wieder zunehmen. Aufgrund des reduzierten Kalorienverbrauches während einer Diät reicht es schon aus, wieder „normal“ zu essen, um wieder schnell an Gewicht zuzulegen. Dieser Effekt wird als JOJO-Effekt bezeichnet und stellt sich bei gut 99% der Patienten mit Adipositas nach Diäten ein. Das heisst, welche Diät Sie auch durchführen, das Gewicht wird wieder ansteigen. Es entstehen Selbstzweifel und Frustrationen, die sich wiederum schlecht auf Ihr Essverhalten auswirken. 

Der Umfang der körperlichen Belastung bei der Arbeit aber auch sportliche Aktivitäten oder das Freizeitverhalten sind wesentliche Faktoren zur Bestimmung, wie viele Kalorien unser Körper am Tag verbraucht. Mit der Art und dem Umfang unserer Bewegungen können wir somit auch unser Gewicht beeinflussen.

Körperliche Aktivität vermag zudem Ihren Grundumsatz langfristig zu erhöhen. Wenn Sie also regelmässig Sport treiben, dann verbrennen Sie nicht nur mehr Kalorien aufgrund der sportlichen Aktivität an sich, sondern auch in den Ruhephasen dazwischen.

Dies ist eine wichtige Erkenntnis, die Ihnen helfen kann, Ihr Gewicht nach Diäten längerfristig unten zu halten.

Wenn Sie allerdings schon an einer schweren Adipositas leiden, dann wird es aufgrund der Herzkreislaufbelastung und der Gelenkbeschwerden sehr schwierig oder unmöglich sein, körperliche Aktivitäten zur Gewichtsreduktion, wie empfohlen, durchzuführen. Ein Minus an Bewegung hat meist ein Plus auf der Waage und eine Verschlechterung der allgemeinen gesundheitlichen Situation zur Folge.

Die Schweizerische Herzstiftung empfiehlt Frauen und Männern im erwerbsfähigen Alter und robusten älteren Erwachsenen 2½ Stunden Bewegung pro Woche in Form von Alltagsaktivitäten oder Sport von mindestens mittlerer Intensität. Eine mittlere Intensität weisen körperliche Aktivitäten auf, bei denen man zumindest etwas ausser Atem, aber nicht unbedingt ins Schwitzen kommt.

 (Quelle: www.swissheart.ch – Gesund Leben)

Stress führt zu einem Anstieg von gewissen Nebennierenrindenhormonen, z.B. „Kortisol“. Dieses Hormon aktiviert die katabole Stoffwechsellage, indem die Leber mehr Glucose, d.h. Zucker, produziert. Dies hat zur Folge, dass der Körper mit der Zeit die überschüssigen Energieträger in Form von Fett abspeichert, sofern diese nicht sofort abgebaut werden können.

Psychischer Stress aufgrund verschiedenster Ursachen ist äusserst kontraproduktiv, wenn Sie abnehmen wollen. Ihr Körper produziert zu viel Zucker, den Sie nicht abbauen.

Körperlicher Stress ist weniger problematisch, da Ihr Körper den überschüssigen Zucker sofort wiederverwertet und abbaut.

Adipositas kann auch durch ein suchthaftes Essverhalten verursacht werden. Die Prädisposition (Veranlagung) für ein Suchtverhalten generell scheint zu einem grossen Teil angeboren zu sein. In den Hirnstrukturen eines Patienten mit Esssucht zeigen sich bezüglich gewisser Neurotransmitter (Hormone im Gehirn), z.B. „Dopamin“, ähnliche Verteilungsmuster wie bei Nikotin oder Kokainabhängigkeit.

Wie Kokain und Nikotin aktivieren Nahrungsmittel das Belohnungszentrum im Gehirn und lösen ein wohliges Gefühl aus. Die Aktivität dieses Belohnungszentrums ist abhängig von der Konzentration gewisser Neurotransmitter (z.B. Dopamin). Die Konzentration dieser Neurotransmitter kann genetisch herabgesetzt sein. Auch Vernachlässigung und Missbrauchserfahrungen in der Kindheit können dazu führen, dass mit einer „Esssucht" versucht wird, diese negativen Erfahrungen mit einer Art „Selbstbelohnung“ (Erhöhung der Dopaminaktivität) zu kompensieren.

Auch eine Reihe von Pharmaka wirken adipogen, zum Beispiel Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Antipsychotika, Hormone wie Insulin, Cortisol, Kontrazeptiva oder Androgene. Ebenfalls Sulfonylharnstoffe, Thiazolidindione, Beta-Blocker und Alpha-2-Agonisten. Man muss jedoch deutlich betonen, dass sie nicht die Ursache der Adipositas sind, sondern zu einer Zunahme des Ausgangsgewichtes von 7 bis 10 Prozent führen können.